Kategorie: Lautsprecher Stereo

Standlautsprecher PS Audio Aspen FR10


High-End-Traum

Lautsprecher Stereo PS Audio Aspen FR10 im Test, Bild 1
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Schon im letzten Lautsprecher-Jahrbuch hatte ich begeistert über die große PS Audio Aspen FR30 geschrieben. Absolut betrachtet sind die ein High-End-Sonderangebot. Wo reiht sich da die FR10, die kleinste Standbox der Serie ein?

In den letzten Jahren verfolgen meine Kollegen und ich die Entwicklung in der High-End-Szene mit Schrecken: immer teurere Produkte mit nicht zwingender Qualitätssteigerung sollen dem geneigten High-Ender die Euros aus der Tasche ziehen. Wo immer möglich versuchen wir dagegen zu steuern. Schon die große FR30 ist ein extrem kompetenter großer Lautsprecher, für den aufgerufenen Kurs äußerst konkurrenzfähig und im Wortsinn preiswert. Mit der kleineren FR10 hat sich das nicht geändert, im Gegenteil. Schauen wir sie uns einmal genauer an.   

Knapp davor


Paul McGowan, PS Audio Gründer und Inhaber, hat sein Audio- und Entwicklerleben lang von einem Lautsprecher wie den legendären Infinity IRS geträumt. Und fast hätte er sich diesen Traum auch erfüllt und zwar mit dem Entwickler dieser Lautsprecher, Arnie Nudell.

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Doch das Projekt startete nie so richtig durch und als Nudell 2017 starb, schien es keine Möglichkeit zu geben, die letzte, durchaus positiv aufgenommene Version des schon vorhandenen Lautsprechers fertig stellen zu können. So schien McGowans Lebenstraum endgültig begraben. Doch das Leben meinte es gut mit ihm und diese Geschichte möchte ich für die, die meinen Artikel über die PS Audio Aspen FR30 im letzten LSJB nicht gelesen haben, noch einmal skizzieren, weil sie so großartig ist.  

Traumzufall


Paul McGowan betreibt einen sehenswerten youtoube-Kanal, der ihm vielleicht nie wertvoller war als zum Jahreswechsel 2018/2019. Etwa um diese Zeit erreichte ihn nämlich die Nachricht eines gewissen Chris Brunhaver. Das war erst einmal nichts Besonderes, denn über solche Plattformen melden sich, sagen wir mal die unterschiedlichsten Menschen, die wenigsten haben etwas Sinnvolles zum Thema beizutragen. Nicht so Chris, der schnell mit seinem Lautsprecherwissen glänzen konnte, denn er ist vom Fach. Was die Sache noch besser machte, er hatte für Bohlender-Graebener gearbeitet, genau der Firma, die für Genesis, der anderen Firma von Arnie Nudell, die Bändchen gebaut hatte. So begann es.   

Kompromisse optimieren


Das ist das Credo von Chris Brunhaver und es ist so herrlich unamerikanisch.

Lautsprecher Stereo PS Audio Aspen FR10 im Test, Bild 3
Hier sieht man sehr schön, wie die Magnetostaten in die Schallwand eingebettet sind und durch ihre Waveguides abstrahlen
Warum das? Nun, er verirrt sich nicht in Superlativen, sondern erkennt an, dass ein Lautsprecher immer ein Kompromiss sein muss. Und das alleine ebnet den Weg für etwas Besonderes. Der erste Schritt waren die Treiber, denn was Arnie Nudell am Ende verwendet hatte, genügte seinen Ansprüchen bei weitem nicht. Das ist schon spannend, denn Nudell gilt als Legende, die Chuzpe muss man haben. Und da muss ich Chris Brunhaver unbedingt noch einmal aus meinem Artikel über die FR30 zitieren, weil ich seinen Vergleich so stimmig und schön finde: „Es ist wie beim Malen mit reinen Farbpigmenten. Wenn man gleich mit etwas beginnen kann, das reiner und besser ist und viel besser performed, kann man perfekt darauf aufbauen.“ Wenig überraschend hat Chris Brunhaver die FR10 von der großen FR30 herunter skaliert. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Ich darf aber an dieser Stelle verraten, dass es phänomenal gut funktioniert hat. Ein Vorteil der FR10 ist, dass sie deutlich besser in viele verschiedene Räume integriert werden kann, als die Große. Dazu kommt ihr ikonischer Look, der eine echte Zierde sein kann.   

In den Mitten liegt die Wahrheit

Wie bei den großen Modellen setzt Brunhaver die nicht wegzudenkenden Bändchen für Mittel- und Hochton ein. Allerdings blieb der rückwärtig abstrahlende Kollege im Regal, das gab der Preisrahmen einfach nicht her. Da der Abstrahlwinkel mit beinahe 160 Grad sehr breit ist, recht ungewöhnlich für Bändchen, die gerne auch mal recht stark bündeln, ist eine stupende Raumanmutung von Haus aus gegeben. Selbst das Rundstrahlverhalten ist fantastisch und die Leichtigkeit der Wiedergabe erinnert an reine Flächenstrahler. Vergleicht man die von Chris Brunhaver erdachten Magnetostaten mit den klassischen Infinity EMIMs und EMITs, kann man den Fortschritt im Lautsprecherbau nur bewundern. Sie brauchen gerade ein Zehntel der Leistung und sind absolut verzerrungsfrei, spielen also um Dimensionen sauberer. Mit eigenen Werkzeugen wurden sie ganz neu entwickelt: federleichte „Teonex“-Schwingspulen werden von Neodym- Magneten in einer Push-Pull-Konfiguration angetrieben. Da sich kein Stahl im Magnetkreis befindet, sinken die Verzerrungen noch einmal deutlich und das kann man wirklich hören, so sauber und doch nie klinisch klingen die FR10. Der Mitteltöner wurde von 25 auf 20 cm verkleinert, mit knapp der Hälfte der N52 NEO Neodym-Magnete des größeren Modells – es sind immer noch 30. Er hat erstaunliche dynamische Fähigkeiten, ebenso erstaunliche 95dB Wirkungsgrad (real wird er wegen der Bässe abgeschwächt), ist höher belastbar als der große Bruder, spielt aber dafür nicht so tief nach unten. Insgesamt deckt er in etwa den Bereich zwischen 550Hz und 1750Hz ab. Der mehr als 6 cm lange Hochtöner mit seinen sechs Neodymmagneten ist derselbe wie in der großen, wo gleich zwei davon spielen, und übernimmt den Rest des Frequenzspektrums. Die absolut symmetrische Konstruktion der Magnetostaten samt rückwärtiger Absorbtionskammer trägt ebenfalls zu ihrem so sauberen Klang bei. Der Mitteltöner sitzt bei der FR10 ganz klassisch unterhalb des Hochtöners, bei der Großen war das umgekehrt, um ihn auf Ohrhöhe zu bringen.   

Erstaunlich tief unten


Die Bässe hat Chris mit der ganzen Breite der Messtechnik neu entwickelt.

Lautsprecher Stereo PS Audio Aspen FR10 im Test, Bild 5
So, also ohne die Abdeckung, kommt die ganze Eleganz dieses Lautsprechers zur Geltung. Mehr wird man fürs Geld nicht bekommen
Sie müssen in erster Linie mit der Auflösung, Bandbreite, Schnelligkeit und Verzerrungsfreiheit der Magnetostaten Schritt halten können. Servos, sprich servogesteuerte Bässe, wie Arnie Nudell so liebte, kommen ihm vor allem wegen ihres prinzipbedingten Grundrauschens nicht in seine Lautsprecher. Er setzt in der FR10 grundsätzlich dieselben Langhub-Bässe wie in der gesamten Serie ein. Sie haben denselben getrennten Luftspalt samt doppeltem Faradayring, eine niedrige, sehr lineare Induktivität und eine symmetrische Doppelzentrierspinne. Ihr Antrieb ist nicht ganz so extrem, aber ihr Hub von +/- 10 mm immer noch sehr hoch. Der bleibt auch bis kurz vor der Auslenkungsgrenze kontrolliert pistonisch, da sich die Magnetkraft so gut wie nicht ändert. Ihre Membranen bestehen wie gehabt aus einer Carbon- Rohacell-Mischung. Die Kohlefasern sind nicht gewebt und mit einem leichten Rohacell-Schaumstoffkern angereichert. Rohacell ist ein steifer Schaumstoff auf PMI-Basis (Polymethacrylimid) mit geschlossenen Zellen. Die Passivbässe, die vor allem aus Designgründen diesmal hinten und nicht seitlich angebracht wurden, haben dieselben Membranen. Die viel aufwendigere und teurere Passivbass-Lösung vermeidet Resonanzen und Strömungsgeräusche von Bassreflexrohren und durch ihre weiche Sicke verschiebt Brunhaver ihre Resonanzfrequenz in Bereiche, die keinerlei Probleme mehr machen. Apropos Bereiche: 30Hz sind auch bei der FR10 drin und das hört man.   

Die Weiche


Wie man diese Treiber aus verschiedenen Welten letztlich dazu bringt, so wunderbar homogen miteinander spielen zu lassen, entscheidet sich in der Weiche. Brunhaver möchte nicht, dass seine Chassis sich weiter als nötig überlappen, also trennt er steil mit Filtern 4. Ordnung. Dafür misst er so viel es geht auf Achse und im Raum und hört natürlich ganz offensichtlich exzellent. Hoch belastbare, verlustarme Luftspulen mit hohem Kupferanteil sowie hauptsächlich Folienkondensatoren bester Bauart und Drahtwiderstände tun den Job. Die Luftspule für den Bass hat zum Beispiel ein 2 mm starkes Kupferkabel für einen niedrigen Widerstand.   

Das Gehäuse und sein Design


Das berühmte Studio 63 aus Montreal sorgte auch hier für das elegante Gehäusedesign aus MDF und BMC. Die Schallwand besteht aus BMC, einem unter Hitze ausgehärteten Fiberglasgemisch. BMC hat in etwa dieselbe Dichte wie Aluminium, ist aber laut Brunhaver akustisch deutlich unauffälliger. Die Waveguides für Mittel- und Hochtöner lassen sich direkt in die Schallwand einfräsen, die dann mit 10 langen Maschinenschrauben mit der Rückwand und dem eigentlichen Gehäuse verspannt wird, was sowohl akustisch sinnvoll, als auch optisch elegant ist. Dafür sind in die Schallwand Kupferstücke eingegossen, die die Schrauben aufnehmen. Die gesamte Struktur ist vielfach, auch diagonal verstrebt und unterteilt, sprich die Magnetostaten arbeiten mit der Weiche in einem eigenen Abteil, die Bässe ebenso. Am Ende werden 20 Schichten edlen Lacks von Hand (!) aufgetragen – diese Arbeit sieht man. Nach wie vor scheint dieser so luftig gestaltete Lautsprecher auf einem Alusockel mit einer Mischung aus Gummiabsorbern und Edelstahlspikes zu schweben.   

Und der Klang?


Ist souverän, kompetent mit allen Musikstilen, sehr natürlich und trotz aller Auflösungsfähigkeiten niemals künstlich. Auch wenn man das manchmal anders liest, spielen die FR10 für meine Ohren laut wie leise überragend. Vielleicht liegt es einfach an der richtigen Kombination mit unseren Verstärkern. Schon mit dem Exposure 3510 Vollverstärker spielten sie ausgezeichnet zusammen, gefehlt hat mir da nichts. Mit der großen Luxman Kombi aus C-10 Vorstufe und M-10 Endstufe sprengt man vielleicht das Budget, aber damit stimmt einfach alles, damit geht die Sonne auf und nicht nur die, auch die feinen Härchen auf den Armen stellen sich dauerhaft nach oben. Im Bericht über die Luxman Verstärker hatte ich geschrieben: „Sorry I Made You Cry“ von The Czars könnte das Motto für meine Hörzeit mit diesen Verstärkern und den grandiosen PS Audio Lautsprechern sein. John Grants Stimme singt mich direkt an. Den berühmte Folksong „Black Is the Color (of My True Love´s Hair)“ zelebrieren die Czars als zeitlose Hymne mit Fanfaren und der unverwechselbaren Stimme von Grant. Das Stück wird allerdings auch von einem merkwürdigen Ton begleitet, den man auch als Störgeräusch empfinden kann, falls es die Anlage nicht hergibt, ihn zu integrieren und verständlich zu machen. Mit der PS-Audio- Luxman- Kombination macht das Sinn und was viel wichtiger ist, die Musik berührt mich tief. Und das geht immer so weiter, egal welche Musik, welches Genre ich mit der FR10 höre. Am Ende ist es Gianmaria Testa mit seinem so intimen Album „La valse d’un jour“. Nehmen Sie es mir ab, dass mir bei „Centro la Tosca…“ die Tränen kommen? Ich reagiere auf Musik, wenn sie so vorgetragen wird, einfach emotional und hier ist das so. Testas singt so zart, so persönlicher, schier zerbrechlicher, selbst das Kratzen in seinem Hals, wenn er die Stimme hebt oder näher ans Mikrofon kommt, trifft mich emotional wie nie zuvor. Ich folge seiner Geschichte, auch wenn ich sie inhaltlich nicht verstehe, diese Transzendenz macht die PS Audio Aspen FR10 möglich. 

Fazit

Wenn ich mir noch einmal einen echten High-End-Lautsprecher kaufe, der praktisch alles kann, ausgesprochen attraktiv gestaltet ist und am Ende des Tages jede Art von Musik traumhaft vermittelt, dann wäre es der PS Audio Aspen FR10. So gut ist er.

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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: PS Audio Aspen FR10

Preis: um 13000 Euro

4/2025

Wenn ich mir noch einmal einen echten High-End-Lautsprecher kaufe, der praktisch alles kann, ausgesprochen attraktiv gestaltet ist und am Ende des Tages jede Art von Musik traumhaft vermittelt, dann wäre es der PS Audio Aspen FR10. So gut ist er.

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Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Standlautsprecher 
Preis (in Euro) etwa 13.000 Euro 
Vertrieb: www.hifi 2die4.de 
Prinzip: 3-Wege passiv (Passivbässe) 
Frequenzgang: 32 Hz - 20 KHz (- 6 dB) 
Tieftöner: 2 x 175 mm 
Passivbass 3 x 160 x 225 mm 
Mitteltöner: 200 mm Magnetostat 
Hochtöner: 1 x 64 mm Magnetostat 
Trennfrequenz: 550 Hz und 1,75 kHz 
Empfindlichkeit: 86,5 dB 
Nennimpedanz: 4 Ohm 
Impedanzminimum: 3.3 Ohm 
Ausführung: Perlweiß; Perlschwarz 
B x H x T: 299 x 1.050 x 413 mm (inc. Standfuß) 
Gewicht: 34,1 kg 
Garantie: 5 Jahre (bei Registrierung) 
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Christian Bayer
Autor Christian Bayer
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Datum 02.04.2025, 10:01 Uhr
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Unser Hobby spiegelt die Welt da draußen wider: immer mehr, immer größer, immer teurer muss es sein. Zum Glück gibt es aber auch Gegenbeispiele. Mit dem dänischkanadischen Traumduo kann man seinen irdischen Musikfrieden finden.

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